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Curriculum

Ziel der Ausbildung ist es, die notwendigen Wissensinhalte und das methodische Rüstzeug für Usability Consultants zu vermitteln. Ausserdem wird die Weiterentwicklung von soft skills unterstützt, um im Rahmen von Usability Projekten die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Change-Prozesse gewinnbringend gestalten zu können.

Ausbildungsinhalte

Die Zusammenstellung der Ausbildungsinhalte orientiert sich an Erfahrungen von artop aus Projekten und Lehre, am Curriculum "Mensch-Computer-Interaktion" der Gesellschaft für Informatik und am German Chapter der UPA.

Ausbildungsmodule

Die Ausbildung ist in 12 Module gegliedert, in denen theoretische Ansätze, Grundlagen und Methoden sowohl vermittelt, als auch durch die Bearbeitung von Fallbeispielen erlernt werden. Die zweitägigen Ausbildungsmodule sind interaktiv aufgebaut, in vielen Sequenzen erarbeiten die Teilnehmer Teilergebnisse, probieren Methoden aus und diskutieren Pro und Contra. In einem viertägigen Praxisworkshop werden Methoden intensiv geübt und reflektiert.

Somit ist neben der Wissensvermittlung die praktische Anwendung ein essentieller Bestandteil der Ausbildung.

Praxismodule

Parallel zu den Ausbildungsmodulen arbeiten die Teilnehmer selbstorganisiert in Kleingruppen (3-4 Personen) in einer ausbildungsbegleitenden "Consequential Task" an einem Usability Projekt ihrer Wahl. Dieses begleitende Praxisprojekt wird durch einen Mentor supervidiert, der über die gesamte Projektlaufzeit Unterstützung bietet. Dadurch wird der Transfer von erarbeitetem Wissen und Erfahrungen in die alltägliche Projektarbeit gefördert.

Kamingesprä- che mit weiteren Experten, Demonstrationen und eine Exkursion zu einem auf Eyetracking spezialisierten Berliner Unternehmen vertiefen das Wissen und geben einen Einblick in die Dienst- leistung Usability. Sie dienen zudem der Vernetzung mit der Usability Community.

Lernziel

Am Ende der Ausbildung sollen die Ausbildungsteilnehmer befähigt sein, Usability Engineering Prozesse professionell zu initiieren, umzusetzen, zu begleiten und zu evaluieren.

5. Curriculum 2011
I. Ausbildungsteil

1. Ausbildungsstart und Einführung in Usability

Das zentrale Seminarziel ist ein intensiver Einstieg in Ausbildungsthema und -kontext. Die Teilnehmer werden nach einer Phase des Kennenlernens mit dem Aufbau und der Philosophie der Ausbildung zum Usability Consultant vertraut gemacht.

Das Feld der Usability wird aus den Perspektiven von Mensch, Technik und Organisation diskutiert. Damit legen wir die Grundlage für ein gemeinsames Ausbildungsverständnis. Usability wird geschichtlich betrachtet, zentrale Anwendungsfelder werden erarbeitet. Es erfolgt die Einordnung von Usability und der Rolle des Usability Consultants im Kontext von Qualität aus Nutzer- und Unternehmenssicht wie auch aus dem Blickwinkel des Gesetzgebers.

Ausbilder: Jens Hüttner & Knut Polkehn

2. Mit Usability Engineering zu User Experience

Wie entwickelt man gebrauchstaugliche Produkte? Als Ziel von Usability Bemühungen wird häufig die Verbesserung der User Experience formuliert. Wir schauen hinter die Konzepte von User Experience und User Centred Design (UCD), um herauszufinden, welche Anforderungen an einen gelungenen UCD-Prozess gestellt werden müssen.

Ein Usability Engineering Modell wird im Seminar vorgestellt und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Vorgehen in frühen Phasen der Systementwicklung. Die Anwendbarkeit von Usabiliy Engineering im Kontext bestehender Entwicklungsprozesse wird praxisnah diskutiert.

Ausbilder: Knut Polkehn & Jens Hüttner

3. Faktor Mensch

Das Zusammenspiel von Mensch und Technik kann nur dann optimiert werden, wenn zuverlässige Kenntnisse über die Stärken und Schwächen des Menschen vorhanden sind. Um dem Faktor Mensch gerecht werden zu können, werden wir Grundwissen über physiologische, sensomotorische und kognitive Vorgänge vermitteln. Besonderer Wert wird auf ein tiefes Verständnis psychischer Vorgänge gelegt, die bei der Mensch-Technik-Interaktion ablaufen (z. B. Wahrnehmung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Lernen, Entscheidung und Handlungssteuerung).

Gemeinsam erarbeiten wir ein allgemein anwendbares Modell der menschlichen Informationsverarbeitung. Dieses Modell kann bei der Analyse, Gestaltung und Bewertung interaktiver Systeme produktiv eingesetzt werden und bietet jederzeit eine Orientierung, wie die "psychischen Kosten" der Mensch-Technik-Interaktion minimiert werden können.

Ausbilder: Dr. Herbert A. Meyer

4. Methoden und Tools I

Es gibt mittlerweile eine Vielfalt von Methoden und Tools, um die Usability interaktiver Systeme zu analysieren und zu beeinflussen. In insgesamt drei Modulen werden den Teilnehmern ein Überblick und ein Ordnungssystem über die verschiedenen Verfahrensweisen und Instrumente im Usability-Kontext vermittelt.
Es werden in Schwerpunktseminaren ausgewählte Methoden zur Analyse, Gestaltung und Evaluation dargestellt, demonstriert, analysiert und eingeübt. Ziel ist es, Usability-Methoden durchführen und gewinnbringend einsetzen zu können und ihre Einsatzfelder, Vor- und Nachteile zu kennen.

Schwerpunkt des Seminars Methoden und Tools I sind Verfahren zur Analyse (u.a. Contextual Inquiry, Interviews, Aufgabenanalyse, Personas).

Ausbilder: Jana Löffler & Dr. Herbert A. Meyer

Exkursion zur eye square GmbH: "Eyetracking"

5. Gestaltung: Von den Anforderungen zum Produkt

Eine wichtige Herausforderung bei der Entwicklung gebrauchstauglicher interaktiver Produkte ist die Gestaltung des Informationsaustausches zwischen Mensch und Technik – der Benutzer soll möglichst wenig mit Interaktionsproblemen belastet werden.

Wir beschäftigen uns damit, wie man von den Anforderungen zu einem Gestaltungskonzeptkommt, welches den in der Anforderungsanalyse definierten Usability-Zielen genügt und wie man unter Nutzung von Systemparadigmen sowie Gestaltungsmustern den Gestaltungs(spiel)raum erkundet.
Einen Schwerpunkt bildet dabei die Verarbeitung der Ergebnisse der Anforderungsanalyse zu Nutzungsanforderungen und deren Verwendung zur Definition und Validierung von Systemanforderungen sowie zur Konzeption und Bewertung von Design-Lösungen.

Ausbilder: Knut Polkehn

Kamingespräch mit Matthias Müller-Prove: "User Experience Engineering"

6. Methoden und Tools II

Inhalte des zweiten Schwerpunktseminares zu Usability-Methoden sind Verfahren zur Gestaltung im Usability Engineering Prozess (z.B. Szenarien, Prototyping).

Ausbilder: Jana Löffler & Dr. Herbert A. Meyer

Kamingespräch mit Prof. Dr. Marc Hassenzahl: "Experience Design"

7. Moderation von Gruppen und Gesprächsführung

Jedes Projekt steht und fällt mit der Kommunikation mit Kollegen, Vorgesetzten, Kunden und Benutzern; viele Diskussionen erfordern eine sichere Moderation. Die Perspektive der anderen zu kennen und zu verstehen, führt zu geringeren Reibungsverlusten und mehr Information in der gemeinsamen Projektarbeit.

Bedingungen für erfolgreiche Gesprächsführung werden vorgestellt, Merkmale des persönlichen Gesprächsverhaltens reflektiert. Um Gruppendiskussionen effektiv gestalten zu können, lernen die Teilnehmer die Moderationsmethode kennen. Die Methode der Fokusgruppe wird mit einem Fallbeispiel erarbeitet und ausprobiert. Das Modul ist stark durch Kleingruppenarbeit, Rollenspiel, individuelle Reflexion und Feedback geprägt.

Ausbilder: Jens Hüttner

Kamingespräch mit Prof. Astrid Beck: "Usability aus der interkulturellen Perspektive"

8. Methoden und Tools III

Inhalte des dritten Schwerpunktseminares zu Usability-Methoden sind Methoden der Evaluation im Prozess des Usability Engineering (u.a. User Testing, Cognitive Walkthrough, Heuristische Evaluation).

Ausbilder: Jana Löffler & Dr. Herbert A. Meyer

Demonstration durch Marcus Völkel, scoreberlin GmbH: "User Testing mit der Software-Lösung Morae"

9. Change Management – Usability Consultant im Unternehmen

Als Usability Consultant agieren wir in Unternehmen und Organisationen als Berater und Arbeitsgestalter. Wie bei allen Veränderungsprozessen müssen wir beim Gestalten auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren, rennen mit unseren Ideen offene Türen ein oder treffen auf Hindernisse und Barrieren. Oft stehen wir bei der Einbettung von Usability im Unternehmen zwischen den Interessen von verschiedenen Abteilungen, Personen oder Gruppen und müssen zusätzlich rechtliche Rahmenbedingungen, z. B. bei der Beteiligung von Mitarbeitern, beachten.

Wir wollen ein erfolgreiches Verhalten als Usability Consultant in Veränderungsprozessen skizzieren und mögliche persönliche Zugänge festhalten.

Gastvortrag von Michael Offergeld mit dem Thema "Usability als Auftraggeberkompetenz".

Ausbilder: Thomas Dallüge & Knut Polkehn

Veranstaltungstipp: Anfang September findet die Konferenz "Usability Professionals 11" statt.

10. Workshop Analyse, Gestaltung & Evaluation von interaktiven Systemen

Im Mittelpunkt des Workshops steht die praktische Anwendung von Methoden der Usability. Zu allen drei Phasen - Analyse, Gestaltung und Evaluation - werden an je einem Tag Methoden in Kleingruppen intensiv durchgeführt, geübt und ausgewertet.

Neben Fertigkeiten in der Durchführung erhalten die Teilnehmer so ein "Gespür" für Aufwand und Nutzen von Usability Aktivitäten. Zum Abschluss des Seminares erfolgt eine umfangreiche Auswertung und Reflektion der Arbeit und der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Ausbilder: Jens Hüttner & Knut Polkehn

Kamingespräch mit Prof. Dr. Jochen Prümper: "Usability Berater als Change-Manager"

Kamingespräch mit Tim Bosenick: "Remote Usability Test"

11. Usability von Mensch-Maschine-Schnittstellen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern

Ziel des Seminars ist es, einen breiten Überblick über die Umsetzung von Usability in verschiedenen Anwendungsfeldern und unterschiedlichen Branchen zu erhalten. Nach einer erfahrungsgeleiteten Einführung zu Einsatzfeldern arbeiten die Teilnehmer in Workshops zu den Bereichen Software, Automobile und Web.
Eingeladene Vertreter aus Unternehmen stellen hier Case-Studies vor, die von den Teilnehmern in Kleingruppen bearbeitet werden. Nach der Vorstellung der erarbeiteten Lösungen werden diese mit den tatsächlichen Realisierungen abgeglichen, wodurch Praxiswissen und ebenso die praktischen Restriktionen einfließen.

Ausbilder: Prof. Dr. Hartmut Wandke

Case-Studies u.a. von: Roland Buss (SAP AG), Steffen Kehr (ebay International AG), Franz Koller (User Interface Design GmbH)

12. Ausbildungsabschluss und Transferworkshop

Zum Abschluss der Ausbildung ziehen wir ein Resümee und fokussieren noch einmal auf den Transfer in den Berufsalltag. Die Teilnehmer stellen die Ergebnisse der Consequential Task vor und zeigen damit die individuelle Integration der Inhalte und Ausbildungserfahrungen. In gemeinsamer Diskussion geben wir Feedback und entwickeln produktive weiterführende Ideen zu den Inhalten der Consequential Tasks. Mit der offiziellen Übergabe der Zertifikate findet die Ausbildung zum Usability Consultant ihren Abschluss.

Ausbilder: Jens Hüttner, Knut Polkehn, Dr. Herbert A. Meyer

Veranstaltungstipp
Die nächsten World Usability Days:
10. November 2011, 8. November 2012,
In ganz Deutschland: worldusabilityday.de
In Berlin: wud-berlin.de

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