Organisationskultur

Organisationskultur als Treiber von Innovation

Eine Innovation bedeutet stets das Betreten von unbekanntem Territorium, über das (noch) kein gesichertes Wissen besteht. Dieser Umstand macht jede Neuerung zu einem hoch riskanten Unterfangen. Dementsprechend hoch sind die üblichen Scheiterquoten. Da sich Innovationen nicht realistisch planen lassen bleibt als Ausweg, die Wahrscheinlichkeit für ihren Erfolg maximal zu erhöhen. Dies bedeutet, ein förderliches Umfeld zu schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter einer Organisation eingeladen fühlen, sich an der Erneuerung ihrer Organisation zu beteiligen. Denn bei keiner anderen Personengruppe innerhalb oder im Umfeld eines Unternehmens fallen in gleichem Maße Praxiswissen und Kreativität zusammen.

Die Global Innovation 1000-Studie der Beratungsgesellschaft Booz & Company von 2011 bestätigt diese Auffassung mit Daten aus einer Umfrage unter 600 Führungskräften. Unter dem Titel Why Culture Is Key konnten sie einen Zusammenhang herstellen zwischen einer innovationsförderlichen Organisationskultur, gepaart mit einer entsprechenden Strategie, und dem wirtschaftlichen Erfolg. Unternehmen, in denen beides zusammenkommt, besitzen einen um 30 % höheren Firmenwert und zeigten ein um 17 % höheres Wachstum im Vergleich der letzten 5 Jahre gegenüber ihren Konkurrenten.

Mit Daten aus unserer eigenen Forschung kann dies wissenschaftlich untermauert werden. Mit Hilfe des modularen Inventars zur Organisationsdiagnose lassen sich einzigartige Einblicke in innerbetriebliche Zusammenhänge erzeugen. So konnte gezeigt werden, dass sowohl die Organisationskultur als auch der Führungsstil signifikant mit dem Unternehmenserfolg korrelieren. Berechnet man die Zusammenhänge mit Hilfe einer multiplen Regression jedoch simultan, verschwindet der Einfluss der Leitungskräfte vollständig und nur der gemeinschaftlich geteilte Werte- & Normenkanon bleibt als einziger Prädiktor für Organisationserfolg. Das geflügelte Wort von Peter Drucker Culture eats Strategy for Breakfast findet hier seine empirische Entsprechung.

Gleiches gilt für die Fähigkeit zur Erneuerung. Im Buch Mut zu Innovationen wird detailliert dargestellt, wie bedeutend die organisationale Kultur im Sinne sozial geteilter Verhaltensmaßstäbe für die Innovationskraft eines Unternehmens ist. Hintergrund ist die Erkenntnis aus der Systemtheorie, dass Organisationen naturgegeben eher stabilitätsfördernd und Veränderungen daher nur schwer umsetzbar sind. Es braucht einen Gegenimpuls: Nur wenn es einen allgemeinen Konsens darüber gibt, dass Ideen als willkommen und Neuerungen als wünschenswert betrachtet werden, haben Innovationen eine Chance. Dementsprechend hoch sind die statistischen Zusammenhänge zwischen flexibilitätsfördernden Kultureigenschaften und Innovationserfolg.

Um Organisationen bei der Umsetzung dieser Erkenntnisse zu unterstützen, steht eine umfangreiche Toolsammlung zur Verfügung. Darin werden geprüfte Instrumente der Innovationsförderung praxisnah und anwenderfreundlich aufgeführt. Eine exemplarische Fallstudie der beiden artop-Berater Frank Schmelzer und Sebastian Kunert findet sich im Buch Innovationsfähigkeit durch Vertrauensgestaltung? Befunde und Instrumente zur nachhaltigen Organisations- und Netzwerkentwicklung. (Verlag Peter Lang).

 

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel Kunert, S. (2016). Lernförderliche Arbeitsgestaltung und Innovation. ABWF-Bulletin (1), S. 6-9.

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