Inhalte

Die Ausbildung vermittelt in kompakter Form das wesentliche Handwerkszeug für die Arbeit als Usability Consultant. Sie ist geprägt von Wissens- und Erfahrungsvermittlung durch intensiven Austausch mit den Ausbildern, innerhalb der Ausbildungsgruppe und in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Damit entspricht sie genau den Anforderungen aus der Praxis. Die Dauer der Ausbildung und die Verschränkung inhaltlicher und praktischer Lernbausteine geben Zeit für Lernen und Transfer (kein Crash-Kurs). Sie gliedert sich in Ausbildungseinheiten und einen begleitenden Umsetzungsteil. Der Ausbildungsteil umfasst 12 Module methodischer und inhaltlicher Qualifikation, die als Trainings bzw. Workshops konzipiert sind. Die Ausbildung wird in zwei Formaten angeboten: Im Format I werden die Ausbildungsmodule primär freitags und samstags durchgeführt, im Format II finden die Module primär montags und dienstags statt.

Ausbildungsteil

Der Ausbildungsteil ist in zwölf Module gegliedert, in denen theoretische Modelle, Grundlagen und Methoden sowohl vermittelt, als auch durch die Bearbeitung von Fallbeispielen erlernt werden. Die zumeist zweitägigen Ausbildungsmodule sind interaktiv aufgebaut. In vielen Sequenzen erproben die Teilnehmenden Methoden, erarbeiten Teilergebnisse, teilen Erfahrungen und diskutieren Pro und Contra. In einem viertägigen Praxisworkshop werden ausgewählte Methoden an einem Beispiel intensiv eingeübt und reflektiert. In den einzelnen Modulen wird jeweils Fach-und Kompetenztraining miteinander verknüpft.

Alle zwölf Module werden ausführlich von einer Ausbildungsassistenz protokolliert.

Umsetzungsteil

Neben der Wissensvermittlung ist die Anwendung ein essentieller Bestandteil in den einzelnen Modulen der Ausbildung. Zusätzlich und parallel zu den Ausbildungsmodulen arbeiten die Teilnehmenden selbstorganisiert in Kleingruppen (drei bis vier Personen) in der ausbildungsbegleitenden „Consequential Task“ an einem Projekt ihrer Wahl. Dieses begleitende Praxisprojekt wird durch eine/n Mentor/in supervidiert, die/der über die gesamte Projektlaufzeit Unterstützung bietet. Dadurch wird der Transfer von erarbeitetem Wissen und Erfahrungen in die alltägliche Projektarbeit gefördert.

Kamingespräche mit weiteren Expertinnen/Experten vertiefen das Wissen und geben einen Einblick in die Dienstleistungslandschaft Usability/UX. Sie dienen zudem der Vernetzung mit der Usability/UX Community im deutschsprachigen Raum.

Während der Ausbildung unterstützt die artop-Groupware den Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Vor- und Nachbereitung der Module und der Durchführung der Consequential Task. 

Am Ende der Ausbildung sollen die Teilnehmenden befähigt sein, Usability Engineering Prozesse professionell zu initiieren, zu begleiten, umzusetzen und zu bewerten.

Module im Überblick

Ausbildungsstart und Einführung in Usability & UX

Das zentrale Seminarziel ist ein intensiver Einstieg in das Ausbildungsthema sowie in den Ausbildungskontext. Die Teilnehmenden werden nach einer Phase des Kennenlernens mit dem Aufbau und der Philosophie der Ausbildung vertraut gemacht. Usability und User Experience werden aus den Perspektiven von Mensch, Technik und Organisation diskutiert. Damit legen wir die Grundlage für ein gemeinsames Ausbildungsverständnis. Die Ursprünge der Usability werden betrachtet und zentrale Anwendungsfelder erarbeitet. Es erfolgt die Einordnung von Usability und der Rolle des Usability & User Experience Professionals in den Kontext von Qualität aus Nutzer- und Unternehmenssicht wie auch aus dem Blickwinkel der Gesellschaft.

Mit Usability Engineering zu User Experience

Wie entwickelt man gebrauchstaugliche Produkte für Menschen, die – unterstützt durch Technik – handeln, um ihre Ziele zu erreichen? Als Ziel von Usability-Bemühungen wird häufig die Verbesserung der User Experience formuliert. Die Ausbildungsgruppe schaut hinter die Konzepte von User Experience und Human-Centred Design (HCD), um herauszufinden, welche Anforderungen an einen gelungenen HCD-Prozess gestellt werden müssen. Usability Engineering Ansätze werden im Seminar vorgestellt und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Vorgehen in frühen Phasen der Systementwicklung. Die Anwendbarkeit von Usability Engineering im Kontext bestehender Entwicklungsprozesse und Argumente zum Return on Invest (RoI) werden praxisnah diskutiert.

Faktor Mensch

Das Zusammenspiel von Mensch und Technik kann nur dann optimiert werden, wenn zuverlässige Kenntnisse über die Stärken und Schwächen des Menschen vorhanden sind. Um dem Faktor Mensch gerecht werden zu können, werden wir Grundwissen über physiologische, sensomotorische und kognitive Vorgänge vermitteln. Besonderer Wert wird auf ein tiefes Verständnis psychischer Vorgänge gelegt, die bei der Mensch-Technik-Interaktion ablaufen. Gemeinsam erarbeitet die Ausbildungsgruppe ein allgemein anwendbares Modell der menschlichen Informationsverarbeitung. Dieses Modell kann bei der Analyse, Gestaltung und Bewertung interaktiver Systeme produktiv eingesetzt werden und bietet jederzeit eine Orientierung, wie die „psychischen Kosten“ der Mensch-Technik-Interaktion minimiert werden können.

Von den Anforderungen zum Produkt

Eine wichtige Herausforderung bei der Entwicklung gebrauchstauglicher interaktiver Produkte und Services ist die Gestaltung des Informationsaustausches zwischen Mensch und Technik, Nutzer/innen sollen möglichst wenig mit Interaktionsproblemen belastet werden. Es wird diskutiert, wie man von den sorgfältig erhobenen Anforderungen zu einem Gestaltungskonzept kommt, welches den in der Anforderungsanalyse definierten Usability/UX-Zielen genügt. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Verarbeitung der Ergebnisse der Anforderungsanalyse zu Nutzungsanforderungen und deren Verwendung zur Definition und Validierung von Systemanforderungen sowie zur Konzeption und Bewertung von Design-Lösungen in den Phasen der Entwicklung.

Moderation von Gruppen und Gesprächsführung

Jedes Projekt steht und fällt mit der Kommunikation mit Kolleginnen/Kollegen, Vorgesetzten, Kundinnen/Kunden und Benutzerinnen/Benutzern; viele Diskussionen erfordern eine sichere Moderation. Die Perspektive der anderen zu kennen und zu verstehen führt zu geringeren Reibungsverlusten und einem höheren Ausmaß an verfügbarer Information in der gemeinsamen Projektarbeit. Um Gruppendiskussionen effektiv gestalten zu können, lernen die Teilnehmenden die Moderationsmethode kennen. Die Methode der Fokusgruppe wird mit einem Fallbeispiel erarbeitet. Ein typischer Gesprächsleitfaden wird vorgestellt und Fragetechniken geübt. Das Modul ist durch Kleingruppenarbeit, Rollenspiel und Feedback geprägt.

Methoden und Tools I

Mittlerweile gibt es eine Vielfalt von Methoden und Tools, um die Usability und User Experience interaktiver Systeme zu analysieren und zu beeinflussen. In insgesamt drei Modulen wird den Teilnehmenden ein Überblick und ein Ordnungssystem über die verschiedenen Verfahrensweisen und Instrumente im Usability-Kontext vermittelt. In Schwerpunktseminaren werden ausgewählte Methoden zur Analyse, Gestaltung und Evaluation dargestellt, demonstriert, analysiert und eingeübt. Ziel ist es, Usability-Methoden durchzuführen, gewinnbringend einsetzen zu können und ihre Einsatzfelder sowie Vor-und Nachteile zu kennen. Schwerpunkt des Seminars Methoden und Tools I sind Verfahren zur Analyse (u.a. Contextual Inquiry, Sequenzdiagramme, physikalische Modelle).

Methoden und Tools II

Thema des zweiten Schwerpunktseminares sind Usability-Methoden zur Gestaltung im Usability Engineering Prozess (z.B. Personas, Szenarien, Paper Prototyping, Prototype Testing)

Methoden und Tools III

Themen des dritten Schwerpunktseminares zu Usability-Methoden sind Methoden der Evaluation im Prozess des Usability Engineering (u.a. Usability Testing, Cognitive Walkthrough, Heuristische Evaluation, Fragebogenverfahren).

Change Management - Als Usability & User Experience Professionals im Unternehmen

Usability & UX Professionals agieren in Unternehmen und Organisationen als Berater/innen und Arbeitsgestalter/innen. Wie bei allen Veränderungsprozessen müssen wir beim Gestalten auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren, rennen mit unseren Ideen offene Türen ein oder treffen auf Hindernisse und Barrieren. Oft stehen wir bei der Einbettung von Usability/UX im Unternehmen zwischen den Interessen von
verschiedenen Abteilungen, Personen oder Gruppen und müssen zusätzlich rechtliche Rahmenbedingungen beachten. Im Seminar wird ein erfolgreiches Verhalten in Veränderungsprozessen skizziert und mögliche persönliche Zugänge festgehalten. Michael Offergeld hält einen Gastvortrag zum Thema „Usability als Auftraggeberkompetenz“.

HCD und Co-Kreation

Usability & User Experience Professionals gestalten co-kreative Räume und Zusammenarbeit. Hierbei ist es hilfreich, Techniken, Erfahrungen und Wissen für solche Herausforderungen im professionellen  Reisegepäck zu haben. In diesem Seminar erleben die Teilnehmenden den Ansatz des Design Thinking hands on mit Kathleen Grieger, ausgebildet am Hasso Plattner Institut. Es wird erforscht, welche Inspirationen diese Spielart eines HCD-Ansatzes für Usability & User Experience Professionals in sich birgt. Außerdem beschäftigt sich die Ausbildungsgruppe mit Workshop-Design, der Zusammenarbeit mit Stakeholdern und vertieft das Wissen über Organisationen.

Workshop: Analyse, Gestaltung und Evaluation von interaktiven Systemen

Im Mittelpunkt steht die praktische Anwendung von Methoden. Zu allen drei Phasen – Analyse, Gestaltung und Evaluation – werden an je einem Tag Methoden in Kleingruppen intensiv durchgeführt, geübt und ausgewertet. Methoden sind beispielsweise Card Sorting, Interview und Testing. Neben Fertigkeiten in der Durchführung der Methoden entwickeln die Teilnehmenden ein Gespür für Aufwand und Nutzen der Aktivitäten. Zum Abschluss erfolgt eine umfangreiche Integration und Reflexion.

Ausbildungsabschluss und Transferworkshop

Zum Abschluss der Ausbildung ziehen wir ein Resümee und fokussieren erneut auf den Transfer in den Berufsalltag. Die Teilnehmenden stellen die Ergebnisse der Consequential Task vor und zeigen damit die individuelle Integration der Inhalte und Ausbildungserfahrungen. In gemeinsamer Diskussion geben wir Feedback und entwickeln produktive, weiterführende Ideen zu den Inhalten der Consequential Tasks. Mit der offiziellen Übergabe der Zertifikate findet die Ausbildung zum Usability & User Experience Professional ihren Abschluss.