Halte Dich offen, denn nichts ist so, wie es am Anfang zu sein scheint!

Im September dieses Jahres startet die artop-Ausbildung Mediation in das 14. Curriculum. Wir haben Teilnehmer/innen der bisherigen Curricula nach ihren Eindrücken, Erinnerungen und Erfahrungen befragt:

Hans-Jürgen Haak

arbeitet als selbstständiger Mediator und Team-/ Organisationsentwickler in München.

An was erinnere ich mich gerne, wenn ich an die Ausbildung denke?

Sofort kommen mir die tolle Gruppe und die professionellen Trainerinnen in den Sinn. Wertvoll ist, dass unter den Teilnehmern eine stabile Beziehung gewachsen ist, die den jederzeitigen persönlichen und fachlichen Austausch möglich macht. Der „harter Kern“ trifft sich auch fünf Jahre nach Abschluss noch mindestens einmal im Jahr und tauscht sich rege aus.

Unsere Gruppe hat einen sehr gemischten fachlichen Background, wie Juristinnen/Juristen, Beschäftigte in Wirtschaftsunternehmen oder sozialen Einrichtungen - als Freiberufler, Selbständige und Angestellte. Dieser Mix an unterschiedlichem Wissen, Erfahrungen, Perspektiven, Arbeits- und Kommunikationsstilen hat meinen Horizont deutlich erweitert.

Darüber hinaus waren Praxisnähe und Didaktik der Ausbildung beeindruckend, so dass artop für mich die absolut richtige Wahl war.

Welche Methoden/Kompetenzen/Erkenntnisse, die ich in der Ausbildung erfahren habe, wende ich in meiner derzeitigen Praxis als Mediator an?

Ich habe es in den Unternehmen häufig mit IngenieurInnen oder BetriebswirtInnen zu tun. Dort pflegt man eher eine sachliche Sprache und einen herben, kritischen Umgang. Da hilft mir, dass ich in der Ausbildung meine Fähigkeiten im Zuhören, Beobachten und präzisen, eigenen Artikulieren deutlich schärfen konnte. Denn oft liegen die kritischen Punkte in den Nuancen – ob in Sprache, Mimik oder Gestik.

Und ich habe gelernt, dass Wertschätzung jedes Einzelnen der Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Mediation ist. Eigentlich ganz simpel, wenn man es weiß und wenn man es angemessen zum Ausdruck bringen kann.

Wo stehe ich gerade als Mediator?

Anfangs habe ich Mediationen im Unternehmen meines damaligen Arbeitgebers angeboten, nebenberuflich sozusagen. Vor knapp zwei Jahren habe ich mich dann selbständig gemacht, einen Schritt den ich nie bereut habe.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass soziale Konflikte in Unternehmen oft negativ besetzt sind – man hat halt keine zu haben. Und dass „Problemsituationen“ oft mit Defiziten in der Arbeitsorganisation und im Teaming verbunden sind. Bei Bedarf kopple ich deshalb meine Unterstützung als Mediatior mit Team- und Organisationsentwicklungen oder als Schulungen von Führungskräften und Mitarbeitern.

Fransziska von Hertell

arbeitet als Personalentwicklerin bei einem weltweiten Händler von Kunststoffen.

An was erinnere ich mich gerne, wenn ich an die Ausbildung denke?

Wir waren eine heterogene Gruppe, mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, Erfahrungen und Persönlichkeiten. Diese Zusammensetzung hat die Zusammenarbeit und den Austausch sehr bereichert. Gerne erinnere ich mich auch an die intensive Arbeit in unserer Peer Gruppe. Wir hatten tolle und bereichernde Diskussionen und konnten uns bei den Praxisfällen "austoben". Neben all diesen Punkten lebt eine Ausbildung natürlich vom Erfahrungsschatz, der Kompetenz und Persönlichkeit der Ausbilder. Ihr habt das großartig gemacht, sehr lebhaft, praxisnah und mit viel Herzlichkeit. Durch Euer Feedback habe ich viel Vertrauen in mich und meine Kompetenzen bekommen – Danke noch mal dafür!

Welche Methoden/Kompetenzen/Erkenntnisse, die ich in der Ausbildung erfahren habe, wende ich in meiner derzeitigen Praxis als Mediatorin an?

Wir haben in der Ausbildung einen bunten Blumenstrauß unterschiedlicher Methoden an die Hand bekommen. Aus meiner Coachingausbildung waren mir einige davon bekannt, andere waren neu und stellen eine gute Ergänzung dar. Für die Mediation finde ich die Methode des Doppelns besonders wirkungsvoll. Richtig angewandt können dadurch die Kernpunkte eines Konfliktes angesprochen und auf den Punkt gebracht werden, womit eine Konfliktklärung möglich wird.

Eine wesentliche Erkenntnis, die ich darüber hinaus mitgenommen habe, ist: „Halte Dich offen, denn nichts ist so, wie es am Anfang zu sein scheint!“. Diese Sicht hilft mir nicht nur in der Mediation, sondern in allen meinen Beratungsprozessen, mich nicht vorschnell gedanklich eng zu machen.

Wo stehe ich gerade als Mediatorin?

Als die Mediationsausbildung zu Ende ging, war ich wild entschlossen, mein Wissen und meine neuerworbenen Fähigkeiten schnell zum Einsatz zu bringen. Und ehe ich mich versah, war sie da: meine erste Mediation. Mittlerweile habe ich in unterschiedlichen Settings Menschen erfolgreich durch Konflikte begleitet. Die Methoden und die Einstellung zu Konflikten, die ich im Rahmen der Weiterbildung erworben habe, ergänzen heute meine Arbeit als Personalentwicklerin und Coach und haben mir die Angst vor Konflikten genommen.

Frank Schneider

arbeitet als ScrumMaster und agiler Coach bei einem IT-Dienstleister.

An was erinnere ich mich gerne, wenn ich an die Ausbildung denke?

In der Ausbildung sind wir sehr schnell zu einer tollen Gruppe von Mediatioren zusammengewachsen, die verschiedenen Hintergründe der einzelnen Teilnehmer führten zu interessanten Perspektivwechseln. Die Vertiefung der Inhalte in meiner Peergroup hat enorm geholfen, kritische Punkte nochmals zu hinterfragen. Praktische Tipps der Dozenten ergänzten die Theorie.

Welche Methoden/Kompetenzen/Erkenntnisse, die ich in der Ausbildung erfahren habe, wende ich in meiner derzeitigen Praxis als Mediator an?

In der Praxis haben mich offensichtliche Parallelen zu geübten Rollenspielen überrascht und mir gleichzeitig geholfen. Die schrittweise Vorgehensweise und klare Struktur einer Mediation helfen in der praktischen Anwendung. So hilft beispielsweise die Methode des Paraphrasierens, Dinge ans Tageslicht zu bringen.

Wo stehe ich gerade als Mediator?

In meiner täglichen Arbeit als ScrumMaster und Agile Coach sind Konflikte immer wieder ein Thema. Auch wenn man nicht sofort in eine klassische Mediation geht, ist es wichtig Unstimmigkeiten früh zu thematisieren. Dabei hilft mir das erworbene Grundverständnis, wie Konflikte entstehen und das Wissen, dass man immer auf das dahinter stehende Problem schauen muss.

Ina Lemke

arbeitet als Senior Beraterin in einer großen Unternehmensberatung.

An was erinnere ich mich gerne, wenn ich an die Ausbildung denke?

Ich denke sehr gerne an meine Mediationsausbildung zurück. Herausragend waren für mich die Praxisnähe und die Methodenkompetenz der Ausbildung. Unsere Ausbildungsgruppe ist in der Zeit sehr stark zusammengewachsen und wir wissen es bis heute sehr zu schätzen, die Perspektiven und Erfahrungen aus unseren sehr unterschiedlichen Berufen und Werdegängen zu nutzen und die Gruppe damit voranzubringen.

Welche Methoden/Kompetenzen/Erkenntnisse, die ich in der Ausbildung erfahren habe, wende ich in meiner derzeitigen Praxis als Mediatorin an?

Ich arbeite als Projektmanagerin, Coach und Trainerin und selten als klassische Mediatorin, doch ich nutze viele der Methoden regelmäßig in meinem Arbeitsalltag. Insbesondere Paraphrasieren, aktives Zuhören, Fragetechniken und das Erkennen und Aufdecken von Bedürfnissen sind mir in Fleisch und Blut übergegangen. Mir ist es wichtig, im Gespräch und in Konflikten den Menschen hinter den Positionen zu sehen. Persönlich fällt es mir in meinem eigenen Konfliktverhalten durch die Ausbildung leichter, zu reflektieren was meine Bedürfnisse, Konfliktursachen und Lösungsmöglichkeiten sind und ich kann diese klarer benennen.

Wo stehe ich gerade als Mediatorin?

Ich übe keine klassische Mediatorentätigkeit aus, biete jedoch in meinem Unternehmen und freiberuflich Konfliktberatung und -trainings an, da ich davon überzeugt bin, dass eine verbesserte Methodenkompetenz jeden beruflich als auch persönlich weiterbringt.

Prof. Dr. Birgit Felden

berät und forscht über Familienunternehmen und ist Professorin an einer Hochschule.

An was erinnere ich mich gerne, wenn ich an die Ausbildung denke?

Ich erinnere zunächst die vertrauensvolle und angenehme Atmosphäre. Helle freundliche Räume haben eine Ruhe ausgestrahlt, die ich in meinem Leben sonst nicht oft habe. Das  hat mir geholfen mich ganz auf die Themen zu konzentrieren. Die Offenheit der Dozentinnen, aber auch der Teilnehmenden untereinander war so groß, dass ich mich schnell auf das Austesten von mir fremden Methoden einlassen konnte. Außerdem habe ich mit meiner Peergroup tolle und interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich heute noch Kontakt habe und mich freue, wenn ich sie sehe oder von ihnen höre. Schließlich habe ich in der Ausbildung auch sehr viel über mich und mein eigenes Verhalten gelernt – das hilft mir täglich im Umgang mit meinen beiden pubertierenden Kindern.

Welche Methoden/Kompetenzen/Erkenntnisse, die ich in der Ausbildung erfahren habe, wende ich in meiner derzeitigen Praxis als Mediatorin an?

Ich berate größere Familienunternehmen in Konfliktsituationen, oftmals mit vielen verschiedenen Personen (und Sichtweisen). Die Ausbildung hat mir insbesondere den Mut gegeben, besonders heikle Themen anzusprechen (und auch nachzuhaken). Mir fehlte wohl ein wenig die Sicherheit, dass ich adäquat und verantwortungsvoll mit den Reaktionen umgehen kann.  Das habe ich durch die Ausbildung gelernt. Außerdem habe ich erkannt, dass ich in größeren Gruppen mit der Allparteilichkeit ja auch eine kräfteausgleichende Aufgabe habe und dass dies meine Neutralität in der Sache nicht beeinträchtigt. Schließlich hat mich die Ausbildung motiviert, mich intensiver mit Kommunikation und Methoden des Konfliktmanagements zu beschäftigen, sodass sich mein in über 25 Jahren erworbenes Wissen noch einmal deutlich erweitert hat.

Wo stehe ich gerade als Mediatorin?

Ich arbeite als Hochschullehrerin und Direktorin unseres Forschungsinstituts sowohl mit Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern, als auch Kollegen und Praxispartnern – da ist mein Wissen über Mediation sehr hilfreich, um die unterschiedlichen Blickwinkel zu verstehen. Außerdem bin ich in Aufsichtsräten von Familienunternehmen tätig, da setze ich regelmäßig mediative Instrumente ein, z.B. bei Streitigkeiten zwischen Vorstand und (Familien-)Gesellschaftern. Bei Beratungen im Kontext einer Unternehmensnachfolge kann ich auch den ganzen Mediationsprozess durchführen – ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Beteiligten sich leichter darauf einlassen, wenn man es nicht als Mediation bezeichnet….

Am 14.06.2019 und am 08.08.2019 um 18.30 Uhr finden die nächsten Informationsabende zur Mediationsausbildung statt. Die Ausbildungsleiterin Ragna Lienke (im Juni) und Prof. Dr. Valentina Speidel (im August) werden die Ausbildung vorstellen und für Fragen zu Inhalten, Ablauf und Einstiegsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Sie sind herzlich eingeladen!

Die Ausbildung befähigt dazu, selbstständig und erfolgreich Mediationen in Organisationen durchzuführen. Am Ende der Ausbildung können die Teilnehmenden Konflikte im Vorfeld erkennen, in Konflikten professionell und konstruktiv vermitteln, sie lernen Deeskalationsstrategien kennen und anwenden, Konfliktbeteiligte führen und hochwertige Lösungen erarbeiten.

Die Weiterbildung besteht aus sechs Modulen mit 125 Ausbildungsstunden und findet in unseren Seminarräumen in Berlin, Prenzlauer Berg statt. Nächster Start ist im September 2019. Ausführliche Informationen zu Umfang, Format und Inhalten der Ausbildung finden Sie hier: Mediationsausbildung

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