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Macht, Machtausübung & Einflussnahme

Was ist Ihr erster Gedanke, wenn sie aus einem Gespräch das Wort „Macht“ aufschnappen? Denken Sie an eigene schlechte Erfahrungen, an Missbrauch? Oder denken Sie an Unterstützung und Beratung?

Vermutlich denken Sie eher an Ersteres, aber tatsächlich kann Macht auch für andere eingesetzt werden, kann zumindest nach fairen Regeln in Diskussionen oder Wettkämpfen genutzt werden. Man kann oft den Gang der Dinge beeinflussen ohne andere zu benachteiligen, ohne sie selbst oder ihre Interessen zu verletzen.

Diese beiden unterschiedlichen Arten der Nutzung von Einwirkungsmöglichkeiten sind Kombinationen der ersten beiden Grunddimensionen von Interaktion und Kommunikation, d.h. von Freundlichkeit und Macht (s. Abbildung). Wer stark, durchsetzungsfähig, mächtig ist, kann diese Macht freundlich und respektvoll einsetzen (genannt Einflussnahme) oder feindlich oder rücksichtslos (genannt Machtausübung).

Dies beiden Formen der Nutzung eines Macht- bzw. Einwirkungspotenzials haben ganz unterschiedliche Konsequenzen, die auch in unseren Beratungen und Ausbildungen beachtet werden: Machtausübung schädigt zunächst einmal die Betroffenen, erzeugt bei ihnen Frustration, gefolgt von Widerstand oder – wenn sie keine Chance zur Gegenwehr mehr sehen – Hilflosigkeit und Apathie; Einflussnahme hat keine dieser negativen Wirkungen. Die Machtausübenden verlieren nicht nur mögliche Kooperationspartner, sie werten sie zur Rechtfertigung auch noch ab (und sich auf) und lernen wenig, weil sie Ihnen nicht mehr zuhören. Machtausübung behindert so die Wissensproduktion und senkt die Effektivität des sozialen Systems, in dem beide leben.

Quellenangaben

Scholl, W. (2011). Machtausübung oder Einflussnahme: Die zwei Gesichter der Machtnutzung. In B. Knoblach, T. Oltmanns, I. Hajnal & D. Fink (Hrsg.), Macht in Unternehmen – Der vergessene Faktor (S. 203-221). Wiesbaden: Gabler
Scholl, W. & Riedel, E. (2010). Using high or low power as promotive or restrictive control – differential effects on learning and performance. Social Influence, 5, 40-58
Scholl, W. (2007). Einfluss nehmen und Einsicht gewinnen – gegen die Verführung der Macht. Wirtschaftspsychologie aktuell, 14 (4), 15-22

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